Antibiotika – Die Wunderheilmittel brauchen ein Wunder

Wenige Dinge haben die Welt so stark verändert wie Antibiotika. Während noch vor hundert Jahren jede Verletzung infolge einer bakteriellen Infektion tödlich ausgehen konnte, und auch relativ oft so ausging, sind wir diese Sorge heute weitgehend los. Die Bakterien haben allerdings noch lange nicht aufgegeben, die letzten Jahrzehnte gut genutzt und sich den Antibiotika immer besser angepasst. Heute gibt es wieder Keime, die perfiderweise besonders gerne in Krankenhäusern anzutreffen sind, gegen die praktisch kein Mittel mehr wirkt – in der EU sterben jedes Jahr 25’000 an unheilbaren Infektionen und auch Tuberkulose und Malaria sind auf dem Vormarsch. In anderen Weltregionen ist die Situation noch schlimmer, weil dort Antibiotika ohne Rezept erhältlich sind und entsprechend sorglos in Landwirtschaft und Medizin eingesetzt werden: für die Bakterien ein ideales Immunisierungs-Trainings-Gelände. Leider ist keine nachhaltige Besserung in Sicht, jährlich werden weniger neue Antibiotika entwickelt und die besten sind oftmals bereits Jahrzehnte alte Ladenhüter, gegen die Bakterien entsprechend gut angepasst sind. Die Lösung heisst darum, den Missbrauch anpacken: Kein massenhafter Einsatz in der Landwirtschaft mehr, den Gebrauch stärker regulieren und kein Einsatz von Antibiotika als Edel-Placebo-Pillen bei allen möglichen Erkrankungen oder Einbildungen.

Quelle: Zeit, Economist

 

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