Lebensstandard – Japan fällt hinter Taiwan

Seit den goldenen 60er, 70er und 80er-Jahren geht es mit Japan bestenfalls noch seitwärts. Die Bevölkerung schrumpft rasant, trotz kolossaler Staatshilfen wächst die Wirtschaft nicht mehr, die Preise sinken, und darum verschieben die Konsumenten ihre Einkäufe. Dieses Jahr ist Japan gemessen am kaufkraftbereinigten BIP, anstatt wie noch vor ungefähr 20 Jahren prophezeit, die USA als Nummer 1 abzulösen, hinter China auf Rang 3 zurückgefallen. Kurz: In Japan war die Stimmung schon besser. Und nun fällt das Land der aufgehenden Sonne gemessen an der durchschnittlichen Kaufkraft hinter das kleinere China – Taiwan zurück. Zwar verdienen die Japaner nach wie vor deutlich mehr, aber diese Löhne vermögen die massiv höheren Preise nicht mehr zu kompensieren. Mieten in Taiwan sind 1/3 billiger und Nahrungsmittel nur halb so teuer. Insgesamt können sich die eben noch armen Taiwanesen deshalb mehr leisten als die erfolgsverwöhnten Japaner.

Bemerkenswert! Dieses kleine statistische Ereignis zeigt, wie eindrücklich schnell sich die wirtschaftlichen Kraftverhältnisse derzeit verschieben. Die grösste Aufmerksamkeit hat zwar China aber eine ganze Reihe südostasiatischer Länder (v. a. Südkorea, Taiwan, Hong-Kong, Singapur, Malaysia) haben sich lange vor China de facto zu Industrieländern entwickelt – weitere Staaten (Indonesien, Thailand, Vietnam und eben China) sind auf dem Sprung. Die ganze Region entwickelt eine Dynamik, die nun auch die globalen Machtverhältnisse nachhaltig umkrempeln wird. Dies muss nicht negativ sein, sofern erstens der Westen damit umgehen kann, nicht mehr der Nabel der Welt zu sein und zweitens die neuen Machtpole ihre Rivalitäten und Streitereien friedlich zu lösen lernen.

Quelle: Economist

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