Frankreich – neues Mass für Wirtschaftswachstum

Die Wirtschaftsleistung wird üblicherweise mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgedrückt, das den Wert sämtlicher erzeugten Produkte und Dienstleistungen in einem Staat misst. Der Entwicklungsstand, der Erfolg der Politik, ja die Glückseligkeit wird häufig ganz nach der Devise, mehr ist  mehr, daran gemessen. Nun hat der französische Präsident Sarkozy seine Statistiker beauftragt, auch die Nachhaltigkeit der Entwicklung und das Wohlbefinden der Menschen zu berücksichtigen. Die einseitige Fokussierung auf das BIP führe zu falschen Einschätzungen, Handlungs- und Lösungsansätzen.

Recht hat er! Was nützt es dem Bürger, der sein Haus in einem Sturm verloren hat, wenn das BIP durch den Wiederaufbau Sturm wächst. Was nützt ein hohes BIP-Wachstum, wenn viele durch Teuerung oder ungleiche Verteilung des Vermögenszuwachses effektiv an Kaufkraft verliert. Allerdings soll Sarkozy nur nicht so tun, wie das eine völlig neue Idee wäre. Alternativen gibt es schon lange, zum Beispiel den Human Development Indicator (HDI), der neben dem BIP auch die Schulquote sowie die Lebenserwartung berücksichtigt. Die – laut BIP – wirtschaftsstärksten USA findet sich gemäss HDI nur gerade auf dem 15. Platz.

Das Problem ist nicht die Entwicklung neuer Indikatoren, sondern deren Akzeptanz in Medien, Politik und Wirtschaft. Aber vielleicht kann Sarkozy genau da ansetzen, und bessere Indikatoren international verbreiten. Einen Versuch ist es wert!

Übrigens, Bhutan misst seine Entwicklung mit dem Bruttoglücklichkeitsprodukt.

Quelle: http://www.nytimes.com/2009/09/15/business/global/15gdp.html

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