Kohleenergie – Mikronesien verklagt Tschechien

In der Tschechei, das seine Elektrizität zu über 60% aus Kohlekraft gewinnt, soll eines der europaweit grössten Kohlekraftwerke neu gebaut werden. Seine CO2-Emissionen werden 40 Mal grösser sein als diejenigen der gesamten Bevölkerung Mikronesiens. Dieser Inselstaat, der mehrheitlich nur einen Meter über Meeresspiegel liegt, wird beim erwarteten (und sich messbar beschleunigenden) Anstieg des Meeresspiegels infolge der Klimaerwärmung praktisch von der Landkarte verschwinden. Seine Regierung betrachtet darum das geplante Kohlenkraftwerk als direkte Bedrohung seines Staates und hat nun die Baugenehmigung, genauer die Umweltverträglichkeitsprüfung, angefochten. Diese müsse grenzüberschreitende Schäden berücksichtigen, und zwar – eine Neuheit – auch solche in weit entfernten Staaten.

Bemerkenswert! Natürlich ist das Kraftwerk Tschechei symbolisch und bewusst gewählt, weil in Europa das Klimabewusstsein, wenn auch noch lange nicht genügend, so doch am Weitesten entwickelt ist und wirksame rechtliche Angriffspunkte vorhanden sind. Symbolisch, weil ohne Einbezug der grossen Kohleverbraucher (China, USA, Indien, Russland und Deutschland) eine weltweite Verringerung der Emissionen illusorisch ist. Trotzdem, der Schritt ist konsequent und macht die globalen Zusammenhänge des Klimaproblems deutlich. Es ist offensichtlich, dass die übliche alleinige Konzentration auf nationale Interessen in diesem Zusammenhang nicht weiter führt, respektive ganze Staaten physisch bedroht und dass neue Formen internationaler Zusammenarbeit und Koordination gefunden werden müssen.

Quelle: Courrier International

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