China – Kraftwerke fahren Produktion zurück, um Verluste zu vermeiden

Chinas erfolgreiches Entwicklungsmodell stösst auf neue Herausforderungen. Steigende Inflation und eine auf tiefe Energiepreise angewiesene Industrie machen es den zentralen Planer immer schwerer, Strompreise wie gewünscht konstant zu halten oder zumindest nur sehr langsam ansteigen zu lassen. Eigentlich sollte man meinen, dies sei in einer Planwirtschaft ein Leichtes, schliesslich müssen die staatlich kontrollierten Kraftwerke den Anweisungen Folge leisten. Dieses Mal ist es allerdings anders. Angesichts hoher Rohstoffpreise, denen aufgrund der Preiskontrollen kaum steigenden Einnahmen gegenüberstehen und gleichzeitig massiv höherer Nachfrage verlieren viele Kraftwerksbetreiber mit jeder produzierten Kilowattstunde Geld. In einer neuartigen Befehlsverweigerung schränken sie nun deshalb ihre Produktion, alias ihren Verlust ein, indem sie unüblich viele Kraftwerke wegen “Wartungsarbeiten” stilllegen – und dies ausgerechnet im heissen Sommer, in dem viele Klimaanlagen heiss laufen. Die Folgen lassen nicht auf sich warten. Stromausfälle mehren sich, vorerst in erster Linie auf dem Land und in kleineren Städten. Gerade an den Orten also, die nun auch von der rasanten Entwicklung profitieren und sich energieintensiv entwickeln wollen.

Bemerkenswert! Das bisherige Modell, bei dem in rasender Folge immer neue Kohlekraftwerke gebaut wurden, stösst an seine Grenzen. Auch in China gelten Marktgesetze. Energie ist zu billig und wird darum so stark nachgefragt, dass Rohstoff beziehungsweise Kohlepreise und damit die Produktionskosten durch die steigenden Importe zwangsweise steigen müssen. Mittelfristig wird wohl eine Erhöhung der Strompreise unumgänglich sein. Nicht nur das Weltklima wird es China danken, sondern auch die chinesische Wirtschaft, die stromeffizienter und damit langfristig konkurrenzfähiger wird. Natürlich haben höhere Energiekosten auch soziale Folgen, aber dies gilt ebenso für eine behinderte Entwicklung ländlicher Gebiete infolge ständiger Stromunterbrüche.

Quelle: New York Times

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