Steuersystem – Ein nicht reformierbares Ärgernis

Am 15. April mussten die US-Amerikaner ihre Steuererklärung abliefern. Anscheinend eine komplizierte Sache – 70’000 Seiten umfasst die Steuergesetzgebung und das Ausfüllen beschäftigt ein ganzes Heer von Beratern. 7.6 Milliarden unbezahlte und bezahlte Stunden wendet die Gesellschaft jedes Jahr dafür auf, dies entspricht fast 4 Millionen Vollzeitsarbeitsplätzen. Damit ist die Steuerindustrie sechsmal bedeutender als die Autoindustrie. Angesichts dieser Zahlen kann niemand ernsthaft die Notwendigkeit einer Vereinfachung abstreiten. Auch Präsident Obama will sich dem Problem annehmen. Konkrete Massnahmen hat er aber noch keine ergriffen und die Gesundheitsreform hat – bei allen positiven Aspekten – gerade ein paar weitere Bestimmungen hinzugefügt.
Steuersysteme sind nicht zwangsläufig kompliziert. Einkommen und Vermögen erfassen und gemäss einem prozentualen Anteil besteuern wären an und für sich relativ simpel. Mühsam wird es hauptsächlich infolge einer Vielzahl von Ausnahmeregelungen für bestimmte Interessengruppen. Eine Erleichterung für die einen, eine Sonderrate für die zweiten und eine Abzugsmöglichkeit für die Dritten. Die jeweiligen Nutzniesser unterstützen sich gegenseitig und bekämpfen gemeinsam ”drohende” Steuervereinfachungen sprich Abschaffung von Steuerprivilegien. Die Menschen, die durch eine Vereinfachung von tieferen allgemeinen Steuersätzen profitieren könnte, sind sich dessen meist gar nicht bewusst und schliesslich profitiert wohl auch jedermann von einen kleinen Abzugsmöglichkeit, die er natürlich nicht aufgeben will. Sollte deshalb eine Partei eine radikale Vereinfachung vorschlagen, würde sich deshalb jedermann als Verlierer und niemand als Gewinner fühlen, keine schlaue Wahlkampfstrategie.  Anders gesagt, die Gewinne durch Steuerreformen sind diffus, die Gewinner heterogen und nicht organisierbar, die Verluste hingegen klar fassbar und die Verhinderer finanz- und schlagkräftig. Fazit: In den USA wie in Europa sind Steuersysteme kaum reformierbar und obwohl es im öffentlichen Interesse wäre, müssen viele Gutverdiener kaum befürchten, dass die zahlreichen Steuerschlupflöchern geschlossen werden könnten.

Am 15. April mussten die US-Amerikaner ihre Steuererklärung abliefern. Anscheinend eine komplizierte Sache – 70’000 Seiten umfasst die Steuergesetzgebung und das Ausfüllen beschäftigt ein ganzes Heer von Beratern. 7.6 Milliarden unbezahlte und bezahlte Stunden wendet die Gesellschaft jedes Jahr dafür auf, dies entspricht fast 4 Millionen Vollzeitsarbeitsplätzen. Damit ist die Steuerindustrie sechsmal bedeutender als die Autoindustrie. Angesichts dieser Zahlen kann niemand ernsthaft die Notwendigkeit einer Vereinfachung abstreiten. Auch Präsident Obama will sich dem Problem annehmen. Konkrete Massnahmen hat er aber noch keine ergriffen und die Gesundheitsreform hat – bei allen positiven Aspekten – gerade ein paar weitere Bestimmungen hinzugefügt.

Steuersysteme sind nicht zwangsläufig kompliziert. Einkommen und Vermögen erfassen und gemäss einem prozentualen Anteil besteuern wären an und für sich relativ simpel. Mühsam wird es hauptsächlich infolge einer Vielzahl von Ausnahmeregelungen für bestimmte Interessengruppen. Eine Erleichterung für die einen, eine Sonderrate für die zweiten und eine Abzugsmöglichkeit für die Dritten. Die jeweiligen Nutzniesser unterstützen sich gegenseitig und bekämpfen gemeinsam ”drohende” Steuervereinfachungen sprich Abschaffung von Steuerprivilegien. Die Menschen, die durch eine Vereinfachung von tieferen allgemeinen Steuersätzen profitieren könnten, sind sich dessen meist gar nicht bewusst und schliesslich profitiert wohl auch jedermann von einer kleinen Abzugsmöglichkeit, die er natürlich nicht aufgeben will. Sollte deshalb eine Partei eine radikale Vereinfachung vorschlagen, würde sich deshalb jedermann als Verlierer und niemand als Gewinner fühlen, keine schlaue Wahlkampfstrategie. Anders gesagt, die Gewinne durch Steuerreformen sind diffus, die Gewinner heterogen und nicht organisierbar, die Verluste hingegen klar fassbar und die Verhinderer finanz- und schlagkräftig. Fazit: In den USA wie in Europa sind Steuersysteme kaum reformierbar und obwohl es im öffentlichen Interesse wäre, müssen viele Gutverdiener kaum befürchten, dass die zahlreichen Steuerschlupflöchern geschlossen werden könnten.

Quelle: Economist

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One Response to Steuersystem – Ein nicht reformierbares Ärgernis
  1. […] Zahlen zum amerikanischen Steuerwesen. Ich habe das schon einmal thematisiert, finde es aber immer noch bemerkenswert. Zum Ausfüllen der Steuererklärung werden 6 Milliarden […]

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