Steuern – Der Trickle-Down-Mythos

An einen Mythos glaubt man wider besseren Wissens. Ein Beispiel aus der Wirtschaft ist der sogenannte Trickle-Down-Effekt. Er besagt – etwas vereinfacht ausgedrückt -, dass das Geld, das reiche Bürger nicht als Steuern bezahlen müssen, in die Wirtschaft investiert wird und mindestens so viele Arbeitsplätze schafft und dem Staat zugute kommt, als wenn dieser es als Steuern eingezogen hätte. Das Geld der Reichen regnet – bildlich gesprochen – auf die Armen hinunter und kommt schlussendlich auch dem ärmsten Schlucker zugute. Ein schönes Argument für Steuersenkungen für Reiche. Das Problem ist nur: es hat noch nie funktioniert. Während den wirtschaftlichen Boomjahren wurden zwar auch Arme reicher, aber wesentlich langsamer als die Reichen. Die Einkommensschere ging auseinander und in Amerika sank das Medianeinkommen (Einkommen jener Person, die reicher als 50% und ärmer als 50% der Bevölkerung ist) seit den 70er Jahren. In anderen Worten, das zusätzliche Einkommen kam fast ausschliesslich den Reichen zugute, die herzlich wenig auf die Armen hinuntertropfen liessen.

Bemerkenswert! Ausnahmslos alle Steuersenkungs- Steuerwettbewerbsbefürworter reden von den Investitionen, die reiche Bürger tätigen würden, wenn man ihnen nur mehr Geld liesse. Beweise habe ich bis jetzt keine gesehen und auch logisch, steht dieses Argument auf schwachen Beinen. Was macht jemand, der sich schon alle kaufbaren Wünsche erfüllt hat, mit einem Steuergeschenk? Wahrscheinlich bezahlt er einen teuren Bankberater (immerhin sichert er also einem Banker seinen Job), kauft sich vielleicht eine Zweitjacht und investiert dann sein gespartes Geld in die Schwellenländer (die haben das wohl sicher auch nötig, aber trotzdem entspricht es nicht den Versprechungen der Steuersenker). Was macht hingegen 100 armer Schlucker, wenn sie vom Staat Geld erhalten, dass dieser zuvor einem Reichen abgenommen hat? Sie konsumieren mehr, gehen vielleicht mal ins Kino, machen einen Ausflug und geben vom zusätzlichen Geld mit Sicherheit mehr und vor allem auch mehr beschäftigungswirksam im Inland aus. Eine sicherlich etwas vereinfachte aber nicht notwendigerweise falsche Sicht der Dinge. Das Fazit: Für den Grossteil der Leute ist es besser, wenn Reiche etwas höhere Steuern bezahlen müssen, als der Mittelstand. Ausser natürlich, man plant selber reich zu werden und handelt deshalb an der Urne bereits vorsorglich für nach dem Lotto-Gewinn.

Quelle: Foreign Policy

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2 Responses to Steuern – Der Trickle-Down-Mythos
  1. […] PolitikerInnen, die genau das Gegenteil tun, respektive geht gar nicht wählen! Da wie bereits hier gezeigt, die Armen nicht genügend vom Reichtum der wenigen Superreichen profitieren (Stichwort: […]

  2. […] die Reichen und die Umweltverschmutzer in der so unsterblichen wie widerlegten Hoffnung auf den Trickle-Down-Effekt (höheres Wirtschaftswachstum durch Entlastung der Reichen) noch entlastet werden. Bleibt nur zu […]

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