Arabische Proteste – Blackwaters Söldnerarmeen in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Die Unruhen, die von Tunesien ausgehend seit einigen Monaten zahlreiche arabische Länder erfasst, bereits drei Herrscher (Tunesien, Ägypten und Jemen) vertrieben hat, machen den arabischen Herrschern am Golf Angst. Zwar ist die Wirtschaftslage, dank reichlich sprudelnder Ölquellen ausgezeichnet, sicher fühlen können sich aber deswegen kaum. Eine der Lektionen der erfolgreichen Aufstände besagt, dass sich Menschen nur begrenzt kaufen lassen und insbesondere gebildete Mittelschichtler, von denen es in den Gold-Monarchien inzwischen auch einige gibt, verlangen auch nach politischen Freiheiten, Aufstiegsmöglichkeiten, Meinungsäusserungsfreiheit und nach einem gerechteren, weniger korrupten Staat. Eine weitere Lehre ist, dass in stürmischen innenpolitischen Zeiten muslimische Soldaten höchst ungern auf muslimische BürgerInnen schiessen und deshalb auf einheimische Soldaten nur begrenzt Verlass ist. Am ersten Punkt können und wollen die autoritären Herrscher nicht wirklich etwas ändern, ohne mittelfristig sich selbst abzuschaffen und dazu sind die Öleinnahmen eindeutig zu lukrativ. Beim zweiten Punkt hingegen besteht Verbesserungspotenzial.

Bemerkenswert vorausblickend – zumindest verglichen mit der üblichen Reaktionszeit auf Forderungen nach politischen oder gesellschaftlichen Reformen – haben beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate reagiert und bereits im November 2010 der berüchtigten Söldnerfirma Blackwaters einen 529 Millionen US$ schweren Auftrag erteilt. Ziel: Aufbau einer 800 Mann starken kolumbianischen Kampftruppe, die im Ernstfall sowohl in einem Konflikt mit dem Iran, zur Abwehr terroristischer Anschläge aber auch zur Unterdrückung allfälliger einheimischer UnruhestifterInnen eingesetzt werden könnte. Das Programm stiess allerdings auf einige ungeahnte Schwierigkeiten. Anstatt der erhofften amerikanisch geschulten, im Drogenkrieg gestählten Elitekämpfern kamen militärisch unbedarfte eher dem Lohn als der Schusswaffe zugeneigte Abenteurer, die sich obendrein in den eher unterhaltungsarmen Wüsten-Kasernen langweilten und trotz guter Bezahlung fast so schnell wieder das Weite suchten, wie sie rekrutiert werden können. Im Frühling 2011 bestand die geheime Privatarmee deshalb nur aus knapp 600, mehrheitlich unzufriedenen und wohl nur begrenzt einsatzfähigen Lateinamerikanern.

Bemerkenswert! Ganz einfach scheint die Sache mit den Söldner nicht zu sein. Und darum hier der Vorschlag, trotzdem mit Reformen zu versuchen, eine entsprechende Unzufriedenheit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die arabischen Protestierenden haben unter immensen menschlichen Opfern bereits alle Expertenmeinungen bezüglich arabischer Revolutionsunfähigkeit entkräftet. Nun wäre es an der Zeit, die vorherrschende Meinung über arabische Reformunfähigkeit zu widerlegen!

Quelle: Courrier International

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