US-Armee – Militärdienst als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit

Nachdem die US-Armee jahrelang verzweifelt nach genügend qualifiziertem Personal suchte, scheint sich die Situation zu entspannen. Parallel zum markanten Anstieg der Arbeitslosigkeit verpflichten sich mehr und mehr Freiwillige für eine 3-4 jährige Dienstzeit. In einem Land, wo Arbeitslose meistens nach wenigen Monaten ohne staatliche Hilfe dastehen, ist das Angebot der Streitkräfte äusserst attraktiv. Es winken kündigungssichere Arbeitsstellen und eine grosse Palette von Vergünstigungen, billigen Krediten und bezahlten Aus- und Weiterbildungen. Veteranen gelten als tüchtig, diszipliniert und patriotisch und haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Es steigt aber nicht nur die Masse, sondern auch die Klasse. Immer mehr Gutausgebildete lassen sich vom Militär locken.

Problematisch ist dabei die Tatsache, dass für viele die Armee die einzige Möglichkeit ist, wirtschaftlich zu überleben. Von einer freien Wahl kann häufig keine Rede sein. Das ungerechte und für viele schlicht unbezahlbare Bildungssystem zwingt viele wenig Begüterte geradezu zum Umweg über die Armee. Wer die vier Jahre überlebt hat, bekommt die Ausbildung dann stark vergünstigt. Neu ist, dass heutzutage auch viele besser gestellte, aber dennoch infolge exorbitanter Studiengebühren, hoch verschuldete Studienabgänger keine Alternative zum Militärdienst haben. Der Zustrom an Dienstwilligen ist also kaum ein Zeichen für die Beliebtheit des Militärs. Im Gegenteil, er steht viel eher für die wachsende Verzweiflung in einer Gesellschaft, die offensichtlich eingewilligt hat, soziale Sicherung mit einem riesigen Militärapparat zu ersetzen.

Quelle: Die Zeit

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