Russland – Sibirien, die Chinesen übernehmen

Eine russische Entwicklungs-Studiengruppe hat den brisanten Vorschlag gemacht, die Hälfte von Wladiwostok während 75 Jahren gegen eine Zahlung von umgerechnet 3 Milliarden Euros an China zu vermieten. Auf diese Weise soll die Entwicklung der Stadt gefördert werden. Interessant ist vor allem der grössere geopolitische Rahmen. Im Fernen Osten stehen 7 Millionen Russen 60 Millionen Chinesen gegenüber, die sich zudem – glaubt man der Quelle – mit dem Verlust grosser Gebiete im 19. Jahrhundert nicht abgefunden haben. Die Schulbücher sprechen von besetzten Gebieten und verlorener nationaler Würde und chinesische Experten stellen öffentlich fest, dass Russland Region nicht selber entwickeln könne. Der Plan sei Teil einer langfristigen Strategie der Rückgewinnung, die aber nicht unbedingt militärisch sondern eher mittels der Beeinflussung der Öffentlichkeit und einer langsamen kulturellen Durchdringung stattfinden soll. Bezeichnenderweise sei heute die grosse Mehrheit der russischen Fernostspezialisten – darunter wohl auch die Studiengruppe – finanziell und ausbildungsmässig von China abhängig.

Russische Paranoia oder tatsächlich eine langfristige chinesische Strategie? Die Zukunft wird es zeigen aber angesichts der enormen bevölkerungs- und wirtschaftsdynamischen Unterschiede und zunehmend offenen Grenzen braucht es wohl gar kein ausgeklügeltes strategisches Vorgehen, um den chinesischen Einfluss zu vergrössern. Diese Entwicklung muss auch kein Nachteil sein, sondern kann beiden Seiten Vorteile bringen. Es bleibt zu hoffen, dass diese grösser sind als vermutete Gewinne aus nationalistischem und machtpolitischem Verhalten.

Quelle: http://www.courrierinternational.com/article/2009/09/30/quand-vladivostok-tombera-aux-mains-des-chinois

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