Russland – Reichtum ohne Arbeit

In Russland wächst eine neue Gesellschaft mit neuen Werten und Idealen. Genauer gesagt einem neuen Ideal: Geld! Je mehr desto besser, idealerweise, ohne was dafür zu tun und typischerweise ohne Rücksicht auf mitmenschliche und ökologische Verluste. Materialismus ist ein westlicher Import, aber während im Westen Einkommen – wenigstens im Idealfall und wohl eher nicht im Bankensektor – mit Arbeit verknüpft ist, trifft er in Russland auf eine vom Kommunismus geerbte Abneigung gegen Arbeit. Die Folgen sind einschneidend: Anstatt selber anzupacken und sich mühsam und langfristig etwas zu er-arbeiten, versuchen viele Menschen mit Tricks und zweifelhaften Beziehungen direkt zu märchenhaftem Reichtum zu kommen. Die Gesellschaft verliert ihre Solidarität mit den Schwächeren und sympathisiert stattdessen offen mit den mächtigen Ausbeutern, Betrügern, Oligarchen und korrupten Beamten, die es – egal wie – “geschafft” haben.

Wenn es allgemein akzeptiert und mehrheitsfähig ist, dass Rentner am Hungertuch nagen, während Oligarchen ihren erschwindelten Reichtum stolz vorzeigen können und Gesetzesbrecher allgemein Bewunderung finden, ist es nicht gut bestellt, um eine Gesellschaft. Russland ist ein gesellschaftliches Experiment in Schieflage. Intelligenterweise sollten wir von den Fehlern lernen und sie nicht bei uns wiederholen. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass sich bei uns eine vergleichbare Raubrittermentalität nicht über den Bankensektor hinaus ausbreitet und auch dort von den wählenden Arbeitenden kontrolliert wird.

Quelle: DerBund

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