Irak – Zeitheirat kommt in Mode

Im immer noch kriegsversehrten Irak fehlt es an vielem. Zum Beispiel an Männer für die alleinstehenden Frauen und auch an Geld für die traditionell sehr aufwendigen und teuren Hochzeiten. Ein Problem, vor allem weil aussereheliche Beziehungen im Islam nicht gerade gern gesehen sind. Nun, der Islam ist sehr auf die Befriedigung der Bedürfnisse beider Geschlechter bedacht und bietet deshalb passenderweise auch gleich die Lösung des Problems: die Zeitheirat. Sehr unkompliziert, ohne Zustimmung der Eltern, ohne grosses Fest und eben befristet können sich Männer und Frauen ganz legitim für eine definierte Zeit treffen und danach wieder ihrer Wege gehen. Die Frau muss nur sagen: “Ich bin deine Frau für X Zeit und X Mitgift und der Mann diese Bedingungen akzeptieren und schon sind die beiden verheiratet.

Es ist paradox! Der Islam schränkt aussereheliche Begegnungen von Frauen und Männern stark ein und betrachtet allein stehende, unverheiratete Frauen als Stabilitätsproblem für die männliche Psyche. Gleichzeitig erlaubt er die Zeitheirat, die manche nicht ganz unberechtigterweise als der Prostitution Vorschub leistend, kritisieren. Die Zeitheirat ist übrigens nicht nur im Irak im Kommen, sondern wird ausgerechnet von der ultra-konservativen schiitischen Hisbollah im Libanon aktiv gefördert, die damit natürlich für junge Menschen sehr attraktiv wird. Sollte sich der Trend in der islamischen Welt weiter verbreiten sind sich die islamischen und westlichen Gesellschaften schliesslich möglicherweise gar nicht mehr so unähnlich. Ob man eine Beziehung Zeitheirat oder Liebschaft nennt, spielt wohl nur eine sekundäre Rolle. Mit Sicherheit kein angenehmer Gedanke für islamische Konservative aber wohl die logische Folge einer sich austauschenden und modernisierenden islamischen Welt.

Quelle: Courrier International

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