Alkoholkonsum – Europa nüchtert aus

Der Alkoholkonsum in Europa ist rückläufig. Italiener und Franzosen genehmigen sich heutzutage fast einen Drittel weniger als vor 30 Jahren. Über die Gründe darf spekuliert werden. Die um sich greifende Fast-Food-Kultur, das wachsende Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein, die stressige Arbeitswelt, all dies trägt wohl etwas zum kontinuierlichen kollektiven Ausnüchterungsprozess bei. Auch beim Geschmack ändern sich die Zeiten. Polen trinken heute neben Wodka auch ganz gerne Bier und Engländer geben seit kurzem mehr für Wein aus, als für Bier. Während die Ersteren bei gleicher Menge nun also deutlich weniger Alkohol im Blut haben, ist dies bei Engländern gerade umgekehrt; mit verhängnisvollen Folgen. Wein hat ca. dreimal so viel Alkohol wie englisches Bier und tatsächlich steigt – entgegen dem europäischen Trend – mit dem Umsteigen auf Wein auch der absolute Alkoholkonsum der Briten.

Angesichts der ungebrochenen Anziehungskraft von Kampftrinkerevents inkl. zunehmender Nachfrage nach Ausnüchterungszellen ist diese Meldung doch einigermassen überraschend. Abgenommen hat denn wahrscheinlich auch eher der regelmässige, – mehr oder weniger – kontrolliert geniesserische Alkoholkonsum breiter Bevölkerungskreise. Auf jeden Fall stellt das Trinken einen Erfolg des europäischen Projektes dar. Während die wirtschaftliche Integration Europas angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage Südeuropas stottert, scheint zumindest die Harmonisierung der Trinkgewohnheiten auf guten Wegen.

Source: Economist

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