Wissenschafte Publikationen – Wieder Klasse statt Masse
Bei Anträgen auf Forschungsgelder oder bei Bewerbungen zählt in wissenschaftlichen Kreisen häufig vor allem ein Kriterium: die Anzahl Publikationen. Getrieben von fragwürdigen Universitätsrankings, die die Anzahl Veröffentlichungen sehr stark gewichten, stehen die Forscher unter einem immensen Produktionsdruck. Um mitzuhalten, sind sie häufig gezwungen ihre Arbeiten in mehrere kurze Papiere aufzuteilen, kleinste Teilergebnisse einzeln zu veröffentlichen und Resultate unzählige Male zu ”recyceln”. Gemäss dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG ist nur noch wichtig, publiziert zu haben. Welche Erkenntnisse gewonnen wurden und von welcher Qualität diese sind, trete in den Hintergrund. Dies soll nun geändert werden. Die DFG – grösste deutsche Förderungsgemeinschaft, verlangt in ihren Anträgen nur noch die Angabe von fünf massgeblichen Werken – ein Paradigmawechsel. Für die Forscher eine grosse Erleichterung, die aber dadurch relativiert wird, dass Ministerien und Universitäten sich diesem Trend wohl nicht anschliessen werden. Es droht also eine Zerreissprobe. Für Fördergelder gilt es qualitativ gute, umfassende und relevante Werke zu präsentieren während für Berufungen an Universitäten weiterhin vor allem quantitative Kriterien gelten.
Es ist mutig und richtig der Publikationswut Einhalt zu gebieten. Jedem vernünftig denkende Mensch ist klar, dass mehr nicht besser ist – im Gegenteil darf man annehmen, dass die Qualität stark unter dem Druck zu möglichst vielen Veröffentlichungen leidet. Nun vernünftig denkend reicht eben nicht, man muss auch danach handeln. Das Problem ist keineswegs auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkt. Auch in der Wirtschaft ist das alleinige Messen von Quantität und Gewinn viel einfacher und verlockender als aufwendig die Qualität und Nachhaltigkeit einer Leistung zu beurteilen. Diese kurzfristige Denkweise ist jedoch nicht umsonst sondern führt zu falschen Anreizen und Fehlentwicklungen. Die Finanzkrise hat der Gesellschaft kürzlich die Rechnung präsentiert, es liegt nun an uns daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen.
Quelle: Tagesspiegel