Wer nun aber bereits das Ende der Gehirntrainingsindustrie kommen sieht, dürfte enttäuscht werden. Diese Meldung wird wohl weder die Hersteller, noch die Spieler ernstlich beunruhigen. Erstens sollen solche Spiele ja vor allem Spass machen und zweitens stirbt bekanntlich die Hoffnung – hier z. B. auf ein besseres Gedächtnis – zuletzt. Eigentlich ist es ja auch beruhigend zu wissen, dass man das Gehirn nicht einfach wie einen Muskel stärken oder wie einen Computer aufrüsten kann. Aus dieser Möglichkeit ergäben sich womöglich unangenehme Forderungen wie eine bestimmte Punktzahl in einem Gedächtnistest, um eine bestimmte Stelle zu erhalten. Klare, in Zahlen fassbare Kriterien sind verlockend, aber ebenso wenig wie Schulnoten lassen messbare geistige Fähigkeiten Rückschlüsse auf die effektiven Möglichkeiten eines Menschen zu. Entscheidende Faktoren wie Interesse an einer Sache, Motivation und Kreativität, können weder gezielt trainiert, noch mathematisch exakt erfasst werden. Die dadurch entstehende Ungenauigkeit in der Bewertung und Einstufung von Menschen ist die Voraussetzung für das menschliche Potential zu unerwarteten Schwächen wie auch zu überraschenden Höchstleistungen, zum Gelegentlichen über sich Hinauswachsen, das uns von Maschinen unterscheidet.
Quelle: Zeit

