Intelligenz – Nutzloses Gehirntraining

Gehirntrainingsspiele sind beliebt. Mit wissenschaftlichem Vokabular preisen sie nichts weniger als das Senken des geistigen Alters. Wer möchte das nicht, und wem wären die dafür fälligen 2-3 € beim Kauf einer iPhone-App zu viel? Wenn der Leser diese Frage mit: ”ist mir egal” und ”kaufe ich nicht” beantwortet, ist er damit nicht repräsentativ. Wenig erstaunlich, dass solche Programme und Magazine einen Millionenumsatz generieren. Ebenfalls kein Wunder aber doch bemerkens-wert ist allerdings, dass sich die generelle geistige Leistungsfähigkeit durch solche Trainings nicht steigern lässt. Dies hat kürzlich eine englische Studie nachgewiesen. Die Teilnehmer/innen wurden wissenschaftlich bezüglich Gedächtnis- und Lernfähigkeit untersucht und dann in eine sechswöchige Gehirnjogging-Phase geschickt. Entgegen allen Versprechern der Spielindustrie, war danach ihre geistige Leistungsfähigkeit nicht generell grösser. Die durchaus vorhandene Verbesserung der Leistung in den geübten Spielen, lässt sich also schlecht auf neue, allgemeine Aufgaben übertragen.

Wer nun aber bereits das Ende der Gehirntrainingsindustrie kommen sieht, dürfte enttäuscht werden. Diese Meldung wird wohl weder die Hersteller, noch die Spieler ernstlich beunruhigen. Erstens sollen solche Spiele ja vor allem Spass machen und zweitens stirbt bekanntlich die Hoffnung – hier z. B. auf ein besseres Gedächtnis – zuletzt. Eigentlich ist es ja auch beruhigend zu wissen, dass man das Gehirn nicht einfach wie einen Muskel stärken oder wie einen Computer aufrüsten kann. Aus dieser Möglichkeit ergäben sich womöglich unangenehme Forderungen wie eine bestimmte Punktzahl in einem Gedächtnistest, um eine bestimmte Stelle zu erhalten. Klare, in Zahlen fassbare Kriterien sind verlockend, aber ebenso wenig wie Schulnoten lassen messbare geistige Fähigkeiten Rückschlüsse auf die effektiven Möglichkeiten eines Menschen zu. Entscheidende Faktoren wie Interesse an einer Sache, Motivation und Kreativität, können weder gezielt trainiert, noch mathematisch exakt erfasst werden. Die dadurch entstehende Ungenauigkeit in der Bewertung und Einstufung von Menschen ist die Voraussetzung für das menschliche Potential zu unerwarteten Schwächen wie auch zu überraschenden Höchstleistungen, zum Gelegentlichen über sich Hinauswachsen, das uns von Maschinen unterscheidet.

Quelle: Zeit

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