Seit die Grameen Bank von Muhammad Yunus für ihr erfolgreiches Kleinkredite-Geschäft den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten hat, gelten Mikrokredite als Heilsbringer der Entwicklungs-Community. Wie in vielen Geschäftsfeldern führte der grosse Erfolg und mangelnde Regulierung leider auch hier zu Fehlentwicklungen. Angezogen von üppigen Renditen stiegen immer mehr Geld-Institute mit immer aggressiveren Methoden und immer geringeren Risiko-Prüfungen ins Geschäft ein. Aber auch in Indien war das Reservoir unterstützungswürdiger Geschäftsfrauen irgendeinmal erschöpft. Die Gelder flossen dann zunehmend in kleine Konsumkredite zu horrenden Zinssätzen – eine Verschuldungsspirale setzte ein, viele Schuldner nahmen immer neue Kredite auf, um die alten abzuzahlen. Mit der ursprünglichen Idee hatte dieses Business schon lange nichts mehr zu tun; nun steht es vor dem Kollaps. Eine Welle von Selbstmorden von rückzahlungsunfähigen Schuldnern im ländlichen Indien hat die Finanzwelt alarmiert. Die Ausfallquote der Kredite ist anscheinend so hoch, dass neben zahlreichen solidarhaftenden Dorfgemeinschaften auch viele Kredit-Institute Konkurs gehen könnten. Die Krise hat das Potential die angestrebte wirtschaftliche Entwicklung des ländlichen Indiens ernsthaft zurückzuwerfen.
Bemerkenswert! Extreme sind immer gefährlich und Boomzeiten verleiten zu Leichtsinn. Viele profitieren, einige springen dann rechtzeitig ab und die grosse Masse leidet unter den Folgen. Wie ein Naturgesetz durchzieht sich dieser Ablauf durch die Wirtschaftsgeschichte. Auch die Finanzkrise, die die westlichen Gesellschaften momentan durchschüttelt, folgte diesen Regeln. Ebenfalls am Beispiel der Finanzkrise kann man sehen, wie bemerkenswert lernresistent sogar direkt betroffene Menschen sind. Die Risiken der Banken und die ausgeschütteten Boni sind bereits wieder gefährlich gross – die für die Schäden aufkommenden StimmbürgerInnen scheinen bereits vergessen zu haben. Es ist nur zu hoffen, dass die Inder etwas mehr aus ihrer Krise machen.
Quelle: New York Times

