Atomenergie – Russische Wiederaufbereitungsanlage Mayak bleibt unzugänglich

Seit dem Atomunfall in Fukuyama kann man sich nicht nur den Begriff Restrisiko bildlich vorstellen, sondern hinterfragt auch andere Aspekte der Atomindustrie etwas kritischer. Aktuell geht es um die Wiederaufbereitung von Atommüll. Wie andere europäische Staaten auch lassen die Schweizer Atomkraftwerk-Betreiber abgebrannte Brennstäbe im russischem Mayak aufbereiten, wofür sie von Umweltorganisationen stark kritisiert werden. Die Russen produzieren zwar zweifelsfrei konkurrenzlos billig, verstrahlen aber gemäss mehrerer glaubwürdiger Berichte grosse Gebiete und nehmen für die dortige Bevölkerung massive gesundheitliche Schäden in Kauf.

Um die Produktionsbedingungen zu überprüfen, erklärten sich nun Vertreter der Schweizer Atomindustrie bereit, Mayak zu besuchen, was dann aber wie alle bisherigen Versuche in letzter Stunde von den russischen Betreibern abgelehnt wurde: Die Anlage sei militärisches Sperrgebiet. Bis auf weiteres weiss also niemand genau, unter welchen Bedingungen der Treibstoff für schweizerische AKWs erzeugt wird und die von den Betreibern, ihren Kunden und letztlich den Endkonsumenten wie Sie in Kauf genommene Umweltverschmutzung kann nur ausserhalb des Geländes gemessen werden. Dies sollte allerdings bereits genügend besorgniserregend sein: Die Strahlung am Fluss Tetscha, der durch Mayak fliesst, lässt nur einen Aufenthalt von maximal 25 Minuten zu – in unmittelbarer Nähe eines bewohnten und von Krebserkrankungen heimgesuchten Dorfs!

Bemerkenswert! Es ist anzunehmen, dass weder die Atomkraftwerkbetreiber noch die russische Firma Rosatom ein Interesse daran haben, die Zustände in Mayak öffentlich zu machen. Die Ersten müssten wohl das Sauberkeitsargument für Atomstrom begraben und hätten ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem, und für die Zweiten würde womöglich ein lukratives Geschäft beendet. Warum aber sollte man angesichts der Verweigerung einer Überprüfung davon ausgehen, dass in Mayak alles bestens läuft? Es spricht alles dagegen. Müsste unter diesen Umständen nicht von Geschäften mit Mayak abgesehen werden, bis die Umweltverträglichkeit glaubwürdig und von unabhängigen Stellen garantiert werden kann?  Die Antwort auf diese Frage dürfte klar sein. Schwierig zu beantworten ist hingegen die Frage, wie Verantwortliche und Pressesprecher der Atomindustrie öffentlich den Garantien der russischen Betreiber vertrauen, keine eindeutigen Hinweise auf Umweltprobleme wollen feststellen können und danach mit einem guten Gewissen schlafen.

Aufmerksame Leser haben schon länger festgestellt, dass Atomenergie allerhöchstens bei uns und nur solange die Restrisiko-Glückssträhne weitergeht, sauber und sicher ist. Der ganze Dreck wird in Mayak liegen gelassen und mit den auf dem Rücken der russischen Bevölkerung und Natur erzielten Gewinne eine grosse Propagandamaschiene finanziert. Müsste Atomenergie ebenso umwelt- und sozialverträglich produziert werden wie alternative Energien, dürfte sich wahrscheinlich ein grosser Teil ihres Preisvorteils erledigen. Und zählte man dann noch die bedeutenden öffentlichen Entwicklungs- und Finanzierungssubventionen (siehe hier und hier) und die ungelöste und unbezahlte Entsorgungsproblematik dazu, sollte auch unaufmerksamen Zeitgenossen klar werden, dass Atomstrom höchstens in millionenschweren Kampagnen der Atomindustrie sicher, billig und sauber ist.

Quellen: NZZ

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