USA – Republikaner machen Eigentor

Um ihre technische Aufgeschlossenheit zu demonstrieren, die Meinungen ihrer Anhänger zu vernehmen und eine Liste mit den dringendsten Problemen zu erstellen, lancierten die konservativen Republikaner die mit viel Bundesgeld finanzierte Internetseite www.americaspeakingout.com. Eine gute Sache könnte man denken und dachten sich tatsächlich auch ihre politischen Kontrahenten, die Demokraten. Dass ihre angefeindeten Gegner die Seite auch besuchen könnten, ging wohl über den Internethorizont der “grand old party” und tatsächlich wimmelte es nach kurzer Zeit von ironischen, humoristischen und verdächtig liberalen Einträgen:

Das Abtreibungsverbot sei nicht genug, man solle doch besser gleich den Tod verbieten. Weiter wurde das Recht auf privaten Panzerbesitz gefordert, um sich gegen die überall eindringenden Terroristen angemessen schützen zu können. Gegen illegale Einwanderung solle man eine 300 Meter hohe Mauer bauen, das werde sie draussen halten. Zum Thema Homo-Ehe witzelten die Scheinrepublikaner, die Diskussion ziele am wahren Problem der zahlreichen Scheidungen vorbei, die man besten auch kriminalisieren solle.

Fazit: Die Beteiligung ist rege aber nicht unbedingt im gewünschten Sinne. Gleichzeitig können die Moderatoren nicht so einfach alle “störenden” Beiträge löschen, da die Seite mit Bundesgeld zur Förderung des Meinungsaustausches finanziert wurde. Eine Liste mit politischen Zielen wird aber wohl eher nicht erstellt werden, eher peinlich, wenn sich plötzlich einer der oben dargestellten Vorschläge zuoberst finden sollte. Die Episode zeigt aber mehr als die unterschiedliche Internet-Kompetenz der beiden Lager. Sie steht auch für die starke Polarisierung der Anhänger der beiden Parteien, die die Welt, die Probleme oder den Präsidenten der jeweils “anderen” kaum mehr verstehen können und wollen. Andere als die eigenen Positionen werden grundsätzlich, ohne darüber nachzudenken, leidenschaftlich und kompromisslos ablehnt. In einem solchen Umfeld haben Politiker, die sich für Ausgleich und Konsens einsetzen einen sehr schweren Stand. Kein gutes Vorzeichen für eine Demokratie, die auf Kompromisse angewiesen, um funktionieren zu können.

Quelle: Zeit

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