US-Terrorabwehr – Kleinkind erfolgreich und nachhaltig erfasst

Mikey Hicks wird das erste Mal im unschuldigen Alter von zwei Jahren auf dem Flughafen festgehalten und verpasst mit seiner Mutter den Flug, weil er auf ”der Liste” sei. Gleichzeitig mit dem Sprechen lernt er in der Folge einige Konsequenzen der unerbittlichen US-Terroristen-Hatz. Stundenlange Sicherheitschecks sind für ihn so normal wie Spielzeugautos und im Alter von acht Jahren, ist er so verdächtig, dass er mit erhobenen Händen zur Überprüfung antreten muss – sogar für im US-Fernsehen gestählte Kinder dürfte das etwas beunruhigend sein. Mikey figuriert zwar nicht auf der non-flight-list, sehr wohl hingegen auf der erweiterten ”Überprüfungsliste”, die mindestens zwei bedauerliche Mängel aufweist.

  1. Das einzige Erkennungsmerkmal ist der Familienname. Schon nur die Berücksichtigung des Geburtsdatum würde viel helfen. So aber werden unbeachtet aller offensichtlichen Entlastungszeichen wie Schnuller oder Windeln gnadenlos alle Hick’s rausgepflückt.
  2. Einträge auf der Liste können nur mit grossem bürokratischen Aufwand gelöscht werden. Wie ein demokratischer Repräsentant sagte: ”eine Liste, die nicht zweckmässig angepasst werden kann, wird ihrerseits suspekt und zum Sicherheitsproblem.” Viele Betroffene schreiben deshalb absichtlich ihren Namen falsch oder umgehen die USA so gut wie es geht.

Man sollte nicht unbedacht Schreckensnachrichten und Geschichten verbreiten, aber hier handelt es sich offensichtlich um ein fundamentales Problem des amerikanischen Sicherheitsapparates. Dieser ist nicht imstande situationsangepasst zu reagieren. Obskure Listen und Weisungen nehmen den einzelnen Beamten die Verantwortung ab und werden darum in teilweise absurder Weise bis ins letzte Detail befolgt. Wie wiederholte Zwischenfälle zeigen, erzeugt das System trotz riesigem Aufwand eher ein Scheingefühl von Sicherheit, das letztlich womöglich sogar Unsicherheit fördert. Auf jeden Fall kann der magere Leistungsausweis nicht die eklatanten Nachteile für viele Bürger und Reisende sowie die Beschneidung von Freiheitsrechten rechtfertigen. Dieses unverhältnismässige und effizientfreie Gebaren der Sicherheitsfanatiker ist besonders tragisch in einem Land, das ursprünglich auf seinen Pragmatismus und common sense stolz war.

Quelle: New York Times

Ähnliche Artikel:

There are no comments yet. Be the first and leave a response!

Leave a Reply

Wanting to leave an <em>phasis on your comment?

Trackback URL http://www.bemerkenswertes.ch/gesellschaft/usterrorabwehr-kleinkind-erfolgreich-und-nachhaltig-erfasst/trackback/