Elfenbeinküste – Übergewichtige Regierung

Nachdem Kontrahent Gbagbo mit gütiger Mithilfe der UNO vertrieben wurde, kann nun der rechtmässig gewählte Ouattara seine Funktion als Präsident der Elfenbeinküste antreten und ein Kabinett bestimmen. Dieses ist nun bekannt und umfasst nicht weniger als 36 Minister. Angesichts dieser unüberschaubaren Menge an Ministern darf es nicht verwundern, wenn auch die Abgrenzung der Aufgaben nicht einfach nachvollziehbar ist.  So hat es zum Beispiel einen Minister für Urbanisierung und Konstruktion und einen Weiteren für Behausungen. Auch die Notwendigkeit eines Ministers für Landwirtschaft und eines Kollegen für Tierproduktion erschliesst sich dem Beobachter ebenso wenig wie die Existenz sowohl eines Justizministers als auch eines Ministers für Menschenrechte. Weiter hilft da nur ein Perspektivenwechsel. Verwaltet werden soll, im Gegensatz zum phantasielosen auf Effizienz getrimmten Regierungsverständnis, nicht in erster Linie das Land, sondern die Loyalität der politischen Verbündeten des Präsidenten Ouattara. Und weil diese nun jahrelang auf die ihnen zustehende Belohnung warten mussten, kann er sie natürlich nicht einfach mit einem Job als Sekretär oder Chauffeur abspeisen. Zwar sind Minister, vor allem in grösseren Mengen recht kostspielig, müssen sie sich doch, um der Bedeutsamkeit ihres ehrenvollen Postens Ausdruck zu verleihen mit standesgemässen Räumlichkeiten, Dienstfahrzeuge, Dienstreisen und Dienstpersonal umgeben bzw. augestattet werden, aber für das übergeordnete Interesse der Machtkonsolidierung darf sich der Staat nicht lumpen lassen.
Bemerkenswert! An eine gute Regierungsführung ist unter diesen Voraussetzungen fast nicht zu denken – in weiteres Kapitel der unrühmlichen Geschichte schlechter afrikanischer Herrscher und überdies wie auf Bestellung europäischer Fremdenängstlichen wunderbar zur Bestätigung gängiger Afrika-Vorurteile geeignet. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen ob der Fortschritte, die Afrika als Ganzes macht und seiner zunehmenden wirtschaftlichen und  demographischen Bedeutung für Europa. Ein Aufgeben oder Ignorieren des Kontinentes wäre eine ebenso kurzsichtige Strategie, wie das Vorstellen einer fast 40-köpfigen, überteuerten Regierung in einem ausgeplünderten, kriegsversehrten Staat.
Quelle: Courrier International

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