Drogen – Kosten der Repression und Vorteile einer Legalisierung

« Der Kreuzzug gegen die Drogen wird als einer der grössten Torheiten der Neuzeit in die Geschichte eingehen. »

Was abenteuerlich klingt, wird in diesem Artikel mit folgenden Argumenten gestützt. Der Krieg gegen die Drogen verursacht extrem hohe materielle und soziale Kosten bei keinem nachhaltigen Erfolg.  Drogen sind immer noch weltweit und relativ einfach verfügbar. Weder Produktion noch Handel können wirkungsvoll eingeschränkt werden. Dem hohen Aufwand ohne Ertrag stehen katastrophale Folgen gegenüber: Das Drogenverbot verursacht keine wirkliche Angebotsverknappung sondern in erster Linie eine Preiserhöhung, die einerseits zu extremen Gewinnen der Drogenhändler und andererseits zu sozialem Elend der Konsumenten mit hohen gesellschaftlichen Kosten führt. Das Verbot ist indirekt dafür verantwortlich, dass kriminelle Netzwerke mit fast unbeschränkten Geldmitteln ganze Staaten bedrohen können und den weltweiten Terrorismus finanzieren. Der erste Schritt im Krieg gegen die Taliban müsste eine Legalisierung der Mohnproduktion sein. Die Alternative dazu ist ein staatlich kontrollierter Drogenhandel, der auf einen Schlag den kriminellen Netzwerken einen Grossteil ihres Betriebskapital entzieht. Natürlich ist es denkbar, dass die Zahl der Drogenkonsumenten zunächst etwas ansteigt. Aber diese wären dann staatlich erfasst, sozial integriert und könnten ohne Beschaffungsdruck mehrheitlich weiterhin einer Arbeit nachgehen – die sozialen Kosten wären zweifellos geringer. Es spricht auch überhaupt nichts dagegen, zum Beispiel mit den Gewinnen aus dem staatlichen Handel, Entzugskampagnen durchzuführen. Diese könnten sogar – weil die Konsumenten bekannt und beeinflussbar sind – weit gezielter und damit erfolgreicher sein als heute. Kombiniert man dies mit den oben genannten ungeheuren Vorteilen einer Legalisierung, ist das Eingangszitat zweifellos zu bestätigen.

Es bleibt die Frage, warum diese Lösung in nächster Zeit unrealistisch ist, welche Interessen ihr entgegenstehen. Am Meisten zu befürchten haben zweifellos die Drogennetzwerke, sie könnten ihre ganze Finanz- und damit Machtbasis verlieren. Bedroht fühlt sich ebenso die Rüstungsindustrie, die mit grossen Umsatzeinbussen rechnen müsste. Vertreten werden diese Interessen von den rechten Parteien, die im Namen der Landesverteidigung und eines – wie gezeigt – irrigen Glaubens an die Wirkung repressiver Methoden den Drogenkrieg unterstützen und mit der irrationalen Angst der Menschen Stimmen gewinnen. Diese unheimliche Interessengemeinschaft verhindert mit Erfolg das Prüfen von echten Alternativen in einem verlorenen Kampf.

Quelle: Zeit

Ähnliche Artikel:

One Response to Drogen – Kosten der Repression und Vorteile einer Legalisierung
  1. [...] ending it. Sounds simple and it might be simple too – an interesting approach is discussed in this article [...]

Leave a Reply

Wanting to leave an <em>phasis on your comment?

Trackback URL http://www.bemerkenswertes.ch/gesellschaft/drogen-kosten-der-repression-und-vorteile-einer-legalisierung/trackback/