Internet – Draussen bleiben ist keine Option mehr

Etwas hat sich verändert mit dem Internet. Bis anhin musste man aktiv werden, bewusst handeln, um es zu nutzen und auch, um darin Spuren zu hinterlassen. Auf gut Neudeutsch heisst das “Opt-in”, sich Entscheiden teilzunehmen. Anders herum, wer nichts unternahm, oder die Nutzung unterbrach, war draussen – nicht im Internet. Wie der unten angegebene Artikel sehr schön zeigt, spielt sich momentan eine fundamentale Änderung ab – aus dem “Opt-in” wird ein “Opt-out”. Um nicht im Internet zu erscheinen, muss man aktiv werden, Schritte unternehmen, um sich zumindest teilweise auszuklinken. Vollständig ist dies schon heute kaum mehr möglich. Welcher Arbeitsplatz kommt heute ohne Internet (dazu gehört z. B. auch E-mail) aus? Es sind nicht mehr viele. Sogar in Entwicklungsländern laden sich Bauern die Wetterprognosen und die aktuellen Marktpreise per Internet auf ihre Handys. Im Westen hat das Internet den Punkt der Freiwilligkeit schon längstens überschritten und sich in sehr vielen alltäglichen Tätigkeiten fest etabliert: Reisen planen, buchen, Zahlungen erledigen, Fahrpläne, Fotobücher, Musik, Kommunikation, Stellen- und Partnersuche. Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Diese Entwicklung sollte trotz aller positiven Möglichkeiten (man denke an die oben genannten Bauern) nicht naiv begrüsst werden, die Bedrohung der Privatsphäre ist durchaus real. Auch ist wohl die Vorstellung, dass die produzierten riesigen Datenmengen niemand sinnvollerweise auswerten kann, eher Wunschtraum als Wirklichkeit. Was also tun angesichts der zunehmenden Unmöglichkeit des vollständigen “Opt-out’s?”

Hier ein bemerkenswert intelligenter Vorschlag: Statt gegen eine unaufhaltsame Entwicklung anzukämpfen, sollte man sie gestalten. Es gilt also nicht keine Spuren zu hinterlassen, sondern möglichst solche Spuren, die den gewünschten Eindruck machen. Etwas überspitzt formuliert, wenn man die drei ersten Google-Ergebnisseiten seines Namens mit gefälligen Seiten und Meldungen besetzen kann, muss man sich keine Sorgen machen, wenn weiter unten peinlichere Bilder erscheinen. Das ist kein Aufruf, zum sorglosen Umgang mit Daten, sondern zu einer bewussten und intelligenten Steuerung der eigenen Internet-Erscheinung. Das persönliche Internet-Profil ist eine Visitenkarte, die man besser nutzbringend einsetzt, als dem Zufall überlässt.

Quelle: Zeit

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