bemerkens-wert : analyse

wert bemerkt zu werden – bemerkung verdienend

USA – Unbegrenzte Gelder für wirtschaftsnahe Lobbyisten

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Ein äusserst umstrittener Gerichtsentscheid des höchsten US-Gerichtes hat das Potenzial, die Spielregeln der US-amerikanischen Politik stark zu verändern. Künftig dürfen Konzerne unbegrenzt Gelder in den Wahlkampf ihnen genehmer Kandidaten stecken oder die Wiederwahl unbequemer Politiker mit Anti-Werbung verhindern. Zur Begründung führen die konservativen, teilweise von Georg W. Bush eingesetzten Richter die Meinungsäusserungsfreiheit an. Dies gemäss der Denktradition, wonach alle Interessen ungehindert im freien Wettbewerb miteinander konkurrieren sollen. Präsident Obama und führende Demokraten kritisieren den Entscheid als einen grossen Fehler. Die Meinungsäusserungsfreiheit sei für Menschen und nicht für Konzerne gedacht.

Georg W. Bush’s Regierungszeit hat unerwartete und üble Nachwirkungen. Die ihm nahestehenden ultrakonservativen Richter lassen sich vom freien Wettbewerbsgedanken täuschen und verschaffen den finanzkräftigen Wirtschaftslobbys einen immensen ungerechtfertigten Vorteil über Interessengruppen mit kleinem Budget. Freier Wettbewerb gesellschaftlicher Ideen ist eine gute Idee, funktioniert aber nicht, wenn eine Gruppe über beinahe unbegrenzte Mittel und die andere nur über bescheidene finanzielle Ressourcen verfügt. Es ist bekannt, dass sich Stimmen oder öffentliche Meinungen kaufen lassen, wenn man sie nur genügend oft wiederholen kann. Damit nicht genug, zukünftig ist damit zu rechnen, dass die Banken systematisch Politiker bedrängen, die die Ursachen der Finanzkrise aufzudecken versuchen. Auch Krankenversicherer (gegen die dringend notwendige Reform) und Energiekonzerne (gegen Klimaschutz, für Ölbohrungen in Naturreservaten, Umweltvorschriften) werden die ihnen gebotenen Möglichkeiten dankend nützen. Neu können sie ganz direkten Einfluss auf die Parlamentarier nehmen: ”Entweder sie überlegen sich ihre Haltung noch einmal, oder wir investieren bei der nächsten Wahl 50 Millionen in ihren Gegenkandidaten”. In all diesen Fällen verfügen die Gegenspieler nicht annähernd über gleiche Mittel und von einem fairen Wettstreit – entsprechend dem Idealweltbild der konservativen Richter – kann keine Rede sein.

Mit der gleichen Logik und den gleichen problematischen Argumenten wird übrigens auch in der Schweiz eine transparente Parteien- und Kampagnenfinanzierung von bürgerlichen Parteien abgelehnt. Obwohl, oder vielleicht eher weil auch hierzulande viele legitime gesellschaftliche Interessen über keine nennenswerten Finanzierungsquellen verfügen und sich deshalb kaum bemerkbar machen können. Diesen grossen finanziellen Vorteil will man nicht aus der Hand geben. Ausserdem wäre da noch der potentielle Image-Schaden für eine  sogenannte Volkspartei, wenn sie die massive finanzielle Unterstützung durch einen milliardenschweren Mäzen offenlegen müsste.

Quelle: Zeit

Written by Aurel Schmid

March 9th, 2010 at 10:11 pm

Hirnforschung – Siesta für die Leistungsgesellschaft

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Eine neue Studie bestätigt eine alte Weisheit. Ein Mittagsschläfchen ist nicht etwa ein Zeichen von Faulheit und fehlendem Arbeitseinsatz, sondern von kluger Zeiteinteilung und grösser Leistungsfähigkeit in den Nachmittagsstunden. Eine Erkenntnis, in jahrtausendelangen Selbstversuchen in südlichen Ländern gereift, wird nun auch in leistungsorientierten westlichen Unternehmen, dort, wo die ”Besten” bisher Überstunden wie Trophäen sammelten, zur Kenntnis genommen. Mittagsschläfer sind nämlich am Nachmittag nicht nur geistig wacher, sondern erinnern sich auch deutlich besser an das morgens Gelernte oder Erarbeitete. Das Gedächtnis braucht eine Schlafphase, um Erinnerungen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zu befördern. Eine Mittagsnickerchen kann diesen Prozess stark fördern und macht deshalb auch betriebswirtschaftlich sehr viel Sinn.

Analog wie in diesem Beitrag ist auch ”mehr” nicht besser. Wer die Anzahl Arbeitsstunden immer noch als Zeichen von Leistung und Einsatzbereitschaft betrachtet, der ist hirnforschungstechnisch auf dem Holzweg. Wahrscheinlich geht es zwar noch eine Weile, bis der um sich greifende Leistungslohn, die Anzahl Siesta-Minuten als lohnwirksame Leistungskomponente erfasst – fortschrittliche Unternehmen ermöglichen allerdings immer mehr eine richtige Mittagspause.

Quelle: Economist

Written by Aurel Schmid

March 6th, 2010 at 4:03 pm

Russland – Parlamentarischer Zirkus in der “lupenreinen Demokratie”

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Wie jüngst angekündigt wird Nikolai Rastorguev einer der bekannteren Rock-Sänger Russlands zum Parlamentarier der Regierungspartei Einiges Russland ”ernannt”. Damit reiht er sich ein in die Riege von Schönheitsköniginnen, Ballerinas, Boxer, Turner und Eisschnellläufer, die Russlands Parlament bevölkern. Auf die Frage, welche Erfahrung er für diesen verantwortungsvollen Posten mitbringe antwortete ein Putin-Berater ziemlich offen: ”Von Rastorguev werde wohl keine aussergewöhnliche Aktivität erwartet werden; er werde eher eine kulturelle Stimme sein.”

Eine Ernennung, die das Demokratieverständnis in Putin’s Russland sehr schön demonstriert. Die Opposition wird mit allerlei Tricks vom Einzug ins Parlament abgehalten und an der Stelle unbequemer Politiker werden dekorative und willfährige Show-Business-Figuren ”ernannt”. Deren Ähnlichkeiten mit den Narren und Clowns an den Königshöfen früherer Zeiten sind nicht zu übersehen – auch von den Russen nicht, von denen nicht einmal mehr 10% denken, dass Russland eine Demokratie ist. Andererseits scheint diese Tatsache auch nicht weiter zu stören – die grosse Mehrheit ist mit Putin’s Führungsstil zufrieden und die Zustimmungsraten zum Parlament sind steigend. Zum Schluss dieser erheiternd-tristen Anekdote aus russischen Landen diese Klage des russischen Polit-Satirikers Shenderovich: ”Sie verstehen, dass es für mich ein Problem ist, wenn die Realität satirischer ist als die Kommentare, dich ich dazu machen könnte.”

Quelle: Foreign Policy

http://www.foreignpolicy.com/articles/2010/01/29/putin_s_parliamentary_circus?page=full

Written by Aurel Schmid

March 3rd, 2010 at 4:36 pm

Wissenschafte Publikationen – Wieder Klasse statt Masse

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Bei Anträgen auf Forschungsgelder oder bei Bewerbungen zählt in wissenschaftlichen Kreisen häufig vor allem ein Kriterium: die Anzahl Publikationen. Getrieben von fragwürdigen Universitätsrankings, die die Anzahl Veröffentlichungen sehr stark gewichten, stehen die Forscher unter einem immensen Produktionsdruck. Um mitzuhalten, sind sie häufig gezwungen ihre Arbeiten in mehrere kurze Papiere aufzuteilen, kleinste Teilergebnisse einzeln zu veröffentlichen und Resultate unzählige Male zu ”recyceln”. Gemäss dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG ist nur noch wichtig, publiziert zu haben. Welche Erkenntnisse gewonnen wurden und von welcher Qualität diese sind, trete in den Hintergrund. Dies soll nun geändert werden. Die DFG – grösste deutsche Förderungsgemeinschaft, verlangt in ihren Anträgen nur noch die Angabe von fünf massgeblichen Werken – ein Paradigmawechsel. Für die Forscher eine grosse Erleichterung, die aber dadurch relativiert wird, dass Ministerien und Universitäten sich diesem Trend wohl nicht anschliessen werden. Es droht also eine Zerreissprobe. Für Fördergelder gilt es qualitativ gute, umfassende und relevante Werke zu präsentieren während für Berufungen an Universitäten weiterhin vor allem quantitative Kriterien gelten.

Es ist mutig und richtig der Publikationswut Einhalt zu gebieten. Jedem vernünftig denkende Mensch ist klar, dass mehr nicht besser ist – im Gegenteil darf man annehmen, dass die Qualität stark unter dem Druck zu möglichst vielen Veröffentlichungen leidet. Nun vernünftig denkend reicht eben nicht, man muss auch danach handeln. Das Problem ist keineswegs auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkt. Auch in der Wirtschaft ist das alleinige Messen von Quantität und Gewinn viel einfacher und verlockender als aufwendig die Qualität und Nachhaltigkeit einer Leistung zu beurteilen. Diese kurzfristige Denkweise ist jedoch nicht umsonst sondern führt zu falschen Anreizen und Fehlentwicklungen. Die Finanzkrise hat der Gesellschaft kürzlich die Rechnung präsentiert, es liegt nun an uns daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen.

Quelle: Tagesspiegel

Written by Aurel Schmid

February 27th, 2010 at 12:44 pm

Japan – Mercedes S-Klasse wird als energieeffizientes Auto verbilligt

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Die Anreizprogramme für Autokäufer in Europa und in den USA sind grösstenteils ausgelaufen. Vielleicht hat es darum eine gewissen Logik, dass nun Japan, dessen Hersteller dank kleinen und effizienten Modellen besonders stark davon profitierten, nun selber ein solches Programm startet. Der Kauf besonders umwelteffizienter Autos wird mit fast 3000.- gefördert. Umwelteffizient heisst dabei nach japanischer Lesart einen tiefen Verbrauch relativ zum Fahrzeuggewicht. Dies führt dazu, dass zum Beispiel auch der panzerähnliche Hummer oder die Mercedes S-Klasse in der Liste zu fördernder Autos figurieren.

Solche Förderungsmassnahmen sind an und für sich fragwürdig, weil sie unerwünschte Anreize hin zu mehr Strassenverkehr statt alternativer Mobilität setzen, Geld in gestrige Technik statt in zukünftige Innovationen investieren und sie angesichts der hohen Kosten volkswirtschaftlich wenig bringen. Käufe werden zwar vorgezogen, gehen aber anschliessend umso stärker zurück. Ganz unabhängig davon, muss man sich fragen, ob ausgerechnet die betuchten Käufer von Luxuslimousinen diese Steuergelder nötig haben. Im vorliegenden Fall wird eine fragwürdige Wirtschaftsförderung in einer noch fragwürdigeren Art und Weise umgesetzt. Wenn schon Förderung, hätte man wenigstens starke Anreize für besonders kleine und sparsame Autos schaffen sollen. Es gibt viele Berechnungsgrundlage, die das hätten gewährleisten können – Verbrauch pro beförderte Passagiere, pro Distanz, pro CO2-Austoss, etc.. Dass die Japaner ausgerechnet das Gewicht berücksichtigen und damit den Kauf von Hummer und co. fördern, ist grotesk.

Quelle: New York Times

Written by Aurel Schmid

February 24th, 2010 at 9:59 pm

Posted in Politik

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Schiffsfracht – Abbremsen und effizienter werden

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Immer stärker, grösser, schneller – diese Zeiten sind im internationalen Seehandel vorbei. Einer der weltgrössten Verschiffer Maersk hat jetzt angekündigt, Hunderte seiner Schiffe nur noch mit halber Geschwindigkeit fahren zu lassen. In Zeiten sinkender Frachtvolumen, relativ hoher und tendenziell weiter steigenden Treibstoffkosten und nach wie vor steigenden Transportkapazitäten ist dies eine wichtige effizienzsteigernde Massnahme. Solchermassen entschleundigte Schiffe brauchen für die gleiche Strecke ca. 30% weniger Diesel. Eine Ersparnis, die auch durch steigende Mannschaftskosten bei weitem nicht weggemacht wird. Gleichzeitig hebt Maersk auch die bedeutende Reduktion von Treibhausgasen hervor – ein geschickter Marketingspruch, der aber wie hier angetönt durchaus geschäftswirksam sein kann, . Insgesamt wird Schiffsfracht noch effizienter. Das Verschiffen einer Tonne Güter von Schanghai nach Amsterdam belastet die Umwelt weniger als der anschliessend Strassentransport nach Berlin.

Bemerkenswert ist sicherlich der Paradigmawechsel von ”so schnell wie möglich” zu ”so effizient wie möglich”, wobei unter Effizienz erfreulicherweise auch energetische und umweltschützerische Aspekte erfasst werden. Fraglich ist hingegen wie nachhaltig der Trend ist, wenn die Volumina wieder zunehmen und Geschwindigkeit wieder wichtiger wird. Bevor es soweit ist, wäre es wünschenswert den Konsumenten Instrumente in die Hand zu geben, die einfach und zuverlässig die mit einem Produkt verbundene CO2-Produktion transparent machen. Angesichts des effizienten Schiffsverkehrs müsste man dann aber damit rechnen, dass sich plötzlich lokal produzierte Produkte als klimaschädlicher herausstellen, als aus Neuseeland und China herangeführte!

Quelle: New York Times

Written by Aurel Schmid

February 21st, 2010 at 5:10 pm

Klimaschutz – Investoren bestrafen schlampende Trittbrettfahrer-Unternehmen

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Das ”Carbon Disclosure Project” sammelt und veröffentlicht CO2-Austoss-Daten von Unternehmen. Dies alleine ist noch nicht bemerkenswert, andere tun das auch. Spannend ist allerdings, dass die Informationen aus der grössten derartigen Datenbank als Entscheidungsgrundlagen für Investitionen von mehr als 400 internationalen Unternehmen herangezogen werden. 56% dieser Unternehmen wollen künftig nur noch mit Zulieferern, die sich um den Klimaschutz kümmern, geschäften. In dieselbe Richtung geht auch eine Bekanntmachung der US-Börsenaufsicht. Sie will zukünftig die an der Wall-Street vertretenen Unternehmen zwingen Daten über die Auswirkung ihrer Geschäfte auf das Klima bekannt zu geben.

Nur wenige Wochen nach dem enttäuschenden Klimagipfel von Kopenhagen bekommt man den Eindruck, dass die Wirtschaft unabhängig von den zaudernden Politikern den Klimaschutz zunehmend ernst nimmt. Investitionen in nachhaltige Energien werden jetzt beschlossen und wer nicht mitmacht, muss zunehmend Nachteile in Kauf nehmen. Es bleibt zu hoffen, dass die Politiker diesem grossen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trend rechtzeitig zur Kenntnis nehmen, um die nötigen rechtlichen Leitplanken zu setzen. Es geht zwar zunächst auch ohne die Politik aber – wie die Finanz- Wirtschaftskrise gezeigt hat – darf der Staat seine Funktion nicht langfristig vernachlässigen. Er sollte den Wandel mit gezielten Impulsen und Regeln in eine sozial erträgliche und ökologisch nachhaltig sinnvolle Richtung lenken.

Quelle: Zeit

Written by Aurel Schmid

February 17th, 2010 at 2:51 pm

Apple – Der Preis für Innovation

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Sind Macs teurer? Die Antwort lautet wohl ja. Apple’s Marktanteil bei Computer über 1000$ beträgt in den USA 91%, für Geräte im mittleren Bereich 10%, im Segment unter 500$ hingegen 0%. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, verkauft nämlich die Firma Computer mit Gewinn und lässt die Finger vom Verlustgeschäft mit billigst PC’s.

Für Apple’s Computer muss man also nach wie vor etwas bezahlen – dafür hat die Firma auch die nötigen Ressourcen, um in Innovationen und Forschung zu investieren – auch wieder im Gegensatz zu den meisten anderen Herstellern. Apple-Benutzer bezahlen also etwas mehr, bekommen dann aber dafür auch einen Mehrwert in Form innovativer, benutzerfreundlicher und stilvoller Hardware und Software. Wie der stetige Anstieg der Marktanteile zeigt, ist das eine Geschäftsbeziehung die offensichtlich immer mehr Benutzer einzugehen bereit sind.

Quelle: Betanews

Written by Aurel Schmid

February 15th, 2010 at 7:47 pm

Posted in Computer / Internet

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China – Jetzt auch in Sonnen- und Windkraft vorne

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China hat bezüglich Umweltschutz und Energieerzeugung einen schlechten Ruf – jeden zweiten Tag soll ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen. Diese Hunderte neuer Werke ersetzen zwar teilweise noch ältere Dreckschleudern, sind aber dennoch klimatechnisch äusserst bedenklich. Wie überall sollte man aber auch hier den chinesischen Investitionswillen, den Mitteleinsatz und darum auch die Geschwindigkeit des technischen Wandels nicht unterschätzen. Innert kürzester Zeit hat China nämlich die Führung sowohl im Windturbinenbau, als auch in der Produktion von Solarzellen übernommen. Die lange tonangebenden deutschen Unternehmen wachsen zwar für europäische Verhältnisse zügig, können aber mit der explosionsartigen chinesischen Produktionsausweitung nicht mithalten. Jedes Jahr entstehen in der Industrie der erneuerbaren Energien 100’000 Stellen. China mag zwar keine neuen Innovationen anstossen, kopiert aber sehr effizient bewährte Technik und produziert angesichts grosser Volumen zu Preisen, die die Konkurrenz erschauern lassen. Neben technischen Neuerungen ist dies der Grund für die massiven Preissenkungen für Solarzellen: innert Jahresfrist sanken deren Kosten um 20%-30% – in sonnigen Gebieten können sie schon heute mit herkömmlichen Energieträgern mithalten, in Mitteleuropa wird dies in 2-3 Jahren soweit sein. Trotz all dem wird China im Gegensatz zu Europa auch in absehbarer Zeit den Anteil erneuerbarer Energien kaum über 10% steigern können – zu rasch wächst der Gesamtbedarf, der nach wie vor vor allem mit Kohlekraftwerken gedeckt werden wird. 2012 wird in China mehr Energie produziert werden, als in den USA.

Die chinesischen Dimensionen sind beeindruckend. Der weltweit grösste Automarkt, dieses Jahr wohl die zweitgrösste Wirtschaftsmacht vor Japan, Exportweltmeister, die grössten Devisenreserven, bald auch der grösste Energiemarkt. Es ist in jeder Beziehung alles ein bisschen grösser, wenn die Entwicklung anhält bald auch im Vergleich zu den USA. Trotz kritischer Stimmen, die vor einer Blase, geschönten Zahlen und möglichen sozialen Unruhen warnen, ist China bis jetzt bemerkenswert stabil und wir tun wohl gut daran das Land der Mitte als wichtigen, wenn zuweilen auch unbequemen Akteur ernst zu nehmen.

Quellen:

Written by Aurel Schmid

February 7th, 2010 at 1:07 pm

Luanda in Angola – Die teuerste Stadt der Welt

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Wer hätte das gewusst? Angolas Hauptstadt trägt zum zweiten Mal den Titel ”teuerste Stadt der Welt”. Möglich macht es ein beispielloser Immobilienboom infolge zweier einander verstärkender Faktoren.

  1. Zahlreiche Flüchtlinge des kürzlich beendeten jahrzehntelangen Bürgerkrieges haben aus der für 500’000 Menschen gebauten Stadt, eine Metropole mit 5 Millionen Einwohnern gemacht.
  2. Sprudelnde Ölquellen und damit verbundene riesige Einnahmen sorgen dafür, dass für die relativ wenigen guten Hotels oder zu vermietenden Wohnungen sagenhafte Summen gezahlt werden können.

Ein Bett in einem normalen Hotel kostet ca. 600$, eine billige 3-Zimmer Wohnung ca. 7000$/Monat. Aber nicht nur die Hauspreise haben abgehoben. Ein Hamburger kostet 13$ und weil es fast keine Taxis gibt, muss man für ca. 500$/Tag ein Auto inkl. Fahrer mieten. Damit ist aber ein Fortkommen keineswegs garantiert, auf den überlasteten Strassen braucht man für ein paar Kilometer schon mal mehrere Stunden.

Obwohl das Erdöleinkommen höchst ungleich verteilt, und vom Regierungsclan kontrolliert wird, scheint es doch insgesamt genug Günstlinge zu geben, die für ein knappes Angebot fast jeden Preis bezahlen können. In scharfem Kontrast dazu das mehrheitlich sehr bescheidene Leben einer Mehrheit der Angolaner, die vom ganzen Ölreichtum genau zwei Dinge haben: Unerschwingliche Preise und die Gewissheit dem “falschen” Clan anzugehören.

Quelle: Economist

Written by Aurel Schmid

February 3rd, 2010 at 8:15 pm